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Jasmin VerReist

Über den Blog

Für alle Japan-Begeisterten, Reisefreunde und Kulturinteressenten oder auch einfach für die Leute, die sich fragen was ich "da drüben" so treibe, habe ich diesen Blog geschaffen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke aus Japan mit euch teilen.

Noch 14 Tage…

Reise Posted on Sat, May 12, 2018 04:25PM

Zwei Wochen

Jetzt sind es noch genau zwei Wochen bis ich in das Flugzeug
steige, das mich wieder nach Deutschland zurückbringt… Es ist schon seltsam,
dass neun Monate sich so lange und gleichzeitig auch so kurz anfühlen können.

Mein Kalender ist übrigens vollgepackt mit letzten
Unternehmungen, darunter auch ein 4-Tages-Trip in die traditionelle Stadt
Kanazawa, Gepäck-Logistik und Vorbereitungen auf die Abschluss-Zeremonie. Was
mich besonders freut und gleichzeitig auch etwas unter Druck setzt: Ich wurde
gefragt, ob ich die Abschlussrede halten werde! Dementsprechend wälze ich
gerade wie ein Weltmeister Wörter und Gedanken im Kopf hin und her. Warum ist
es manchmal nur so schwer, Gefühle in Sprache umzuformulieren?

Daher ein kleiner Exkurs über ein paar Dinge, die ich
definitiv an Japan vermissen werde…

Japanisches Süßigkeiten

Ob Mochi, Matcha-Eis oder die süße Bohnenpaste Anko. Japan
hat nicht nur Sushi und Ramen zu bieten, sondern auch die süße Seite der kulinarischen
Köstlichkeiten ist genial.

Die Vorteile, ein Regenbogentier zu sein

Immer als jemand von außerhalb gesehen zu werden, egal was
man tut, bringt definitiv auch einige Vorteile mit sich. Es wird nicht so sehr
versucht, einen in die Konformität der Gesellschaft zu quetschen. Wenn man
Dinge nicht weiß, oder komisch sagt, ist das in Ordnung. Und die Mentalität
„auffallen tu ich eh“, nimmt einem so einiges an Sorgen und Stress.

Einkaufen am Sonntag

Da in Japan das Christentum nicht sehr verbreitet ist,
spielt auch der „heilige Sonntag“ hier eine eher untergeordnete Rolle. Es ist
wirklich praktisch, egal an welchem Wochentag seine Einkäufe erledigen zu
können oder mal kurz doch noch Fisch fürs Mittagessen kaufen zu können.

Freundliches Personal

Ich möchte nicht sagen, dass Personal in Deutschland
prinzipiell unfreundlich ist. Aber die Wahrscheinlichkeit, einem freundlichen
Menschen an der Kasse zu begegnen ist in Japan wirklich viel höher. Das liegt
vielleicht am ungeschriebenen Kodex, seine wahren Gefühle und Gedanken nur mit
den engsten Leuten, aber nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Dementsprechend wird sich definitiv mehr Mühe gegeben, schlechte Laune nicht
nach außen zu tragen.

Die Menschen aus ihouse!!

Der Punkt, der mir wohl wirklich am meisten fehlen wird,
bzw. dem ich am meisten nachhängen werde, werden wohl wirklich die lieben, lustigen,
etwas verrückten und einzigartigen Menschen sein, mit denen ich in den letzten
neun Monaten zusammenwohnen durfte. Danke ihr lieben!

Soweit zum Alltag. Sobald ich wieder etwas Luft habe, möchte
ich noch über ein paar andere Dinge schreiben, die mir in Japan aufgefallen
sind. Ihr dürft also gespannt sein. 😊



Bald geht es weiter…

Reise Posted on Sun, March 25, 2018 06:01PM

25. März 2018.

Es wird Frühling, die Sonne wärmt endlich wieder mit goldenen
Sonnenstrahlen, Vögel singen und bauen Nester. Und überall fangen Kirsch-,
Pflaumen- und Pfirsichbäume weiß, rosa und pink an zu blühen.

Vor mir liegen jetzt noch genau zwei Monate, bis ich wieder
in Deutschland ankomme. Dann ist das Kapitel Japan erst einmal zu Ende.

Das heißt aber nicht, dass hier auf dem Blog nichts mehr
passieren wird. Ich weiß, ich habe länger nichts mehr hochgeladen, aber das
heißt nicht, dass ich nichts Nennenswertes mehr passiert ist oder ich nichts
mehr zu erzählen hätte. Es ist eher so, dass ich jetzt, wo ich vor Ort in,
meine Zeit lieber genutzt habe, sie mit den Leuten hier zu verbringen, Ausflüge
zu machen und Japanisch zu lernen.

Nebenher habe ich mir immer wieder Notizen gemacht, wenn mir
bestimmte Dinge aufgefallen sind. Ich bin aber noch nicht dazu gekommen, sie
alle auf Papier zu bringen. Es gibt aber tatsächlich noch einige Dinge, über
die ich gern berichten würde.

Gerade bin ich damit beschäftigt, sie zu sortieren und zu
verschriftlichen. Das heißt, demnächst werden noch einige Posts folgen. Der
Stil wird jedoch ein bisschen anders sein, eher auf die japanische Gesellschaft
bezogen und die japanische Sichtweise zu bestimmten Themen. Ihr dürft also
gespannt sein. Ich freue mich, wenn ihr bald wieder vorbeischaut!

Eure Jasmin



Getting to know… Nagoya & Environment

Reise Posted on Sat, September 30, 2017 05:14AM

Da ich mich in Nagakute, dem Stadtteil, in dem ich wohne,
langsam ziemlich gut auskenne, wird es langsam Zeit, auch die weitere Umgebung
genauer zu erkunden. Dafür lässt sich das Wochenende gut nutzen. Ursprünglich
wollte ich zwar mit ein paar Leuten aus dem iHouse nach Tokyo fahren, aber für
zwei Tage lohnt sich das einfach kaum. Mit dem Bus braucht man nämlich vier
Stunden und der Schnellzug, der Shinkansen, ist (leider) ziemlich teuer.

Daher habe ich in meinem Reiseführer nach Anregungen für
nähergelegene Ausflugsziele gesucht. Und bin auch gleich fündig geworden:
Inuyama. Eine Stadt, die nördlich von Nagoya liegt und mit dem Zug innerhalb
von 40 Minuten zu erreichen ist. Die Bilder vom Schloss und der typisch
japanisch aussehenden Innenstadt haben mich gleich überzeugt. Und als ich
Misaki von meinen Plänen berichte, stößt die Japanerin ein verzücktes: „Ohhh,
Inuyama!“ aus, das mich in meinem Vorhaben noch bestärkt. Also nichts wie hin!

Nach einigem Gewusel im Dschungel der Tarifpreise, die wohl
so übersichtlich wie die deutschen sind, entscheide ich mich für ein Nagoya-Wochenend-Tagesticket
für 600 Yen und für die Zugfahrt vom Bahnhof nach Inuyama eine Manaca-Karte zu
benutzen. Das ist eine Karte für das öffentliche Transportsystem, die man für
ein Pfand erwerben und mit Geld aufladen kann. Möchte man mit der U-Bahn oder
den Zügen irgendwo hinfahren, kann man einfach mit der Karte einchecken und den
gewünschten Zug nehmen. Am Zielort checkt man dann wieder aus und bekommt
automatisch den Preis für die Entfernung ermittelt und von der Karte abgebucht.
Kinderleicht also! Und wenn man nicht genügend Guthaben auf der Karte hat um
den Bahnhof wieder zu verlassen, kann man sie einfach direkt am Automaten wieder
aufladen. Ich wette übrigens darum, dass sich nicht mal die Hälfte der Japaner tatsächlich
mit dem Tarifsystem auskennt und einfach mit der Manaca-Karte fährt. Die ist
einfach praktisch!

In Inuyama war es richtig schön. Es liegt direkt an dem
malerischen Fluss Kiso, der auch japanischer Rhein genannt wird. Auf einer
Anhöhe thront das Inuyama Schloss, das älteste, noch erhaltene Schloss in
Japan! Auch gab es viele Schreine. (Aichi ist übrigens die Präfektur mit den
meisten Schreinen und Tempeln in Japan). Und es gab eine wunderschöne
Einkaufsstraße in der Innenstadt, mit vielen Essensständen und buntem Gewimmel…
Viele der Mädchen trugen Yukatas, die Sommerversion der Kimonos. Inuyama ist
eigentlich genau so, wie ich mir japanische Städte immer vorgestellt habe – und
alles sieht tatsächlich ein bisschen so aus, wie man es aus den Animes kennt.

Zuhause habe ich dann noch einmal den Stadtplan von Nagoya
gecheckt und bemerkt, dass ich hier bereits einige Orte schon erkundet habe,
wie z.B. den Osu Kannon Tempel mit anschließender Osu Shopping District, den
Fernsehturm, sowie den Brunnen auf dem Oasis21-Shopping-Center. Ich finde es
ist sehr schönes Gefühl, wenn man bemerkt, dass ein Ort, der einem anfangs sehr
groß und unüberschaubar erschienen ist, langsam an Vertrautheit gewinnt. Als
nächstes möchte ich mir den Tokugawa Garten und den Hoshigaoka Campus, der auch
zu unserer Uni gehört, anschauen. Auch das Nagoya Schloss habe ich noch nicht
angeschaut, es steht aber ganz oben auf der Liste. 😊
Im Oktober wird es im Osu Shopping District wohl ein Streetfestival geben, von
dem ich schon einige Leute habe reden hören. Darauf bin ich schon gespannt!



Arriving at Nagoya

Reise Posted on Wed, August 30, 2017 06:27AM

Die restliche Reise verlief eigentlich wie am Schnürchen:
Das Gate und den Platz habe ich gut gefunden. Meine Sitznachbarn waren
hilfsbereit und sind immer nett aufgestanden, wenn ich mich vom Fensterplatz
rausbugsieren musste um die Toilette aufzusuchen. Und als ich etwas skeptisch
meine grünen Nudeln, die es zum Lunch gab, auf die Gabel gewickelt habe, hat
mir der asiatische Herr neben mir gezeigt, dass ich am besten das Döschen mit
Soße und das Päckchen mit grünen Algen noch darüber kippen sollte. Gute
Entscheidung übrigens. Die Nudeln flutschten jetzt viel besser und ließen sich
viel einfacher in meinen Mund befördern. Und dieser Tipp ging ganz ohne Worte, nur
mit Mimik und Gestik!

Im Flugzeug musste ich dann noch ein paar Dokumente à la
„Was ich in Japan möchte und wo ich unterkommen werde“ ausfüllen, die dann
später abzugeben waren. Aber ansonsten gab es wirklich unerwartet wenig
Probleme – keine großen Untersuchungs-Gespräche oder Gepäck-Überprüfungen und
auch mein Koffer hatte es erfolgreich bis nach Nagoya geschafft. 😊
Mit meiner frisch erhaltenen Gaijin-Karte im Gepäck, die mich als legal in
Japan verweilender Ausländer auszeichnet, konnte ich mich also Richtung Ausgang
begeben. Und dort war auch Shoko-san vom International Center gleich zu finden,
die wie versprochen auf mich wartete. Vorher hatte ich mir ja schon Sorgen
gemacht, sie nicht erkennen zu können. Andersrum war es aber wohl kein Problem
für sie. Denn in dem Flieger saßen nämlich nicht viele Europäisch-Aussehende Leute…

Während wir noch auf die Ankunft zweier weiterer
Austauschstudenten warteten, konnte ich noch ein paar Fragen stellen, das freie
Wifi ausgiebig nutzen und erfolgreich meine ersten Yen abheben! (Hier blinken
die Geldautomaten übrigens und machen süße Geräusche wie Gaming-Automaten.) Mit
dem Taxi ging es dann gen International House, unserem neuen Zuhause. Und dort
wurden wir auch schon in großem Stil empfangen. Gleich drei Japaner wuselten
fröhlich um uns herum und erklärten uns (auf Japanisch) wie hier alles abläuft,
überreichten uns Dokumente und Schlüssel und führten uns herum.

Und das Haus kann sich wirklich sehen lassen: Es ist sehr
sauber, modern und auch luxuriös. Die Atmosphäre ist ähnlich wie in einem Hotel
oder einem sehr exklusivem Hostel. Aber eins wird schnell klar: Wir befinden
uns hier in einer Welt voller Regeln und klaren Strukturen: Mit einer Karte
muss immer ein -und ausgecheckt werden, wenn man die Unterkunft verlässt. Es
gibt einen Drucker, den man kostenlos benutzen darf, auch Waschmaschine und
Trockner sind kostenfrei. Es muss jedoch genaustens aufgeschrieben werden, wann
und wozu und aus welchen Gründen die Dinge benutzt wurden. Auch Besuch muss
angemeldet werden, mitsamt genauer Besuchszeiten. Das alles und noch mehr lässt
sich auf vielen laminierten Blättern nachlesen, die überall im Haus zu finden
sind.

Da fühlte es sich fast schon verboten an, nachts um drei
noch in die Dusche zu steigen! Gemacht habe ich es aber trotzdem. Vielleicht
auch mit einem kleinen Grinsen im Gesicht… und dem Gedanken, dass es auch ein
Segen sein mag, dass ich die ganzen japanischen Anweisungen noch nicht wirklich
lesen kann.



Über den Wolken

Reise Posted on Mon, August 28, 2017 10:23AM

Monatelang habe ich E-Mails geschrieben, Dokumente ausgefüllt, gebangt, mich gefreut, gefürchtet und gesehnt. Ein Auf und Ab der Gefühle. Und jetzt ist es schließlich so weit:

Nach einem tränenreichen Abschied mit meiner Familie gestern Mittag ging es schließlich los. Mein erster Langstreckenflug. Und das ganz alleine. Aber im Endeffekt war es nur halb so wild.

Jetzt sitze ich jedenfalls am Flughafen in Hongkong, bin im kostenlosen W-Lan eingeloggt und kann mit meinem Freund der chatten, der am anderen Ende der Welt schon im Bett liegt. Während ich auf den Weiterflug warte. Das ist schon irgendwie… verrückt.
Und wenn man bedenkt, dass nach meiner gewohnten Ortszeit gerade mal 3 Uhr morgens ist, bin ich eigentlich ganz fit!
Und mit einem Sonnenaufgang über Hongkong verabschiede ich mich auch wieder – das Boarding nach Nagoya wird jetzt nämlich eröffnet. 😉