Blog Image

Jasmin VerReist

Über den Blog

Für alle Japan-Begeisterten, Reisefreunde und Kulturinteressenten oder auch einfach für die Leute, die sich fragen was ich "da drüben" so treibe, habe ich diesen Blog geschaffen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke aus Japan mit euch teilen.

WHAT TO EAT?

Kulturschock Posted on Sat, September 30, 2017 05:11AM

WHAT TO EAT – How to survive in the jungle of Kanji !?

Ich hatte es ja schonmal ganz am Anfang angesprochen: es ist
wirklich nicht einfach, in Japan einzukaufen und zu kochen, wenn man nicht
lesen kann, was auf den Packungen steht. Oder wo die Dinge herkommen.
Mittlerweile habe ich mich aber schon gut eingelebt und bringe es mittlerweile
auch fertig, mir eine anständige Mahlzeit zu kochen. Für alle, die mein
Leidensweg interessiert oder die vorhaben, nach Japan zu kommen, habe ich ein
paar Tipps zusammengestellt.

Erstmal generell: In Japan kann man viele Fertigprodukte
kaufen. Und die sind nicht nur günstig, sondern auch frisch und gut! Für um die
400 Yen kann man schon eine Lunchbox (jap. Bento) erwerben, in der eine
ausgewogene, schmackhafte Mahlzeit vorzufinden ist.

Das Schöne ist, dass die Japaner auf Abwechslung stehen und
die Boxen neben der Hauptmahlzeit, dem Reis, kleine Portionen an Gemüse,
frittiertem oder gebratenem Fleisch und Fisch und Salaten enthalten. Und
umgerechnet kostet so eine Bentobox keine drei Euro! Damit nicht genug – gegen
Abend gibt es noch einmal Rabatte auf die übrig gebliebenen Lunchboxen des
Tages, die noch verkauft werden sollen. Für die Instant-Gerichte-Fans gibt es
auch eine gute Nachricht: Cup-Noodles und ähnliche Gerichte gibt es hier auch
zahlreich!

Für alle die – wie ich – gerne selbst kochen, habe ich
inzwischen auch einige Tipps sammeln können.

Erst einmal: der Reiskocher ist euer Freund. Ich war zwar
zuerst eingeschüchtert von den ganzen japanischen Knöpfen und Funktionen der
hochtechnischen Teile hier im Wohnheim, aber im Endeffekt ist eigentlich wenig
so einfach, wie Reis zu kochen. Also schnappt euch am besten einen Japaner oder
einen anderen, des Kanji-Lesens-mächtigen Menschen (zum Beispiel einen
Chinesen) und lasst euch kurz erklären, welche Knöpfe ihr zu drücken habt. Wenn
ihr es einmal gecheckt habt, könnt ihr es immer wieder wiederholen und habt
immer ein Grundnahrungsmittel, den Reis.

Dazu brate ich mir dann gerne verschiedene Gemüsesorten.
Besonders empfehlen kann ich Süßkartoffeln, Auberginen, Daikon und Lotuswurzel
(auch Renkon genannt). Fleisch-und Fisch-Fans werden in Japan natürlich auch
fündig! Weiterhin bin ich ein Fan von Miso-Suppe. Sobald man einmal
rausgefunden hat, wie man am besten Dashi macht, muss man nur noch einen Löffel
Miso-Paste hinzufügen und alle Einlagen die man sonst noch gerne in seiner
Suppe hätte (Wakame, Tofu, Frühlingszwiebeln,…). Ich persönlich mache mein
Dashi vegetarisch, aus Kombu und Shiitake-Pilzen, aber Bonito-Flocken zu benutzen
ist auch beliebt und gibt einen intensiven Geschmack. Für alle, denen „Dashi“
jetzt nichts sagt: Es handelt sich dabei um eine klare Brühe, die gerne als
Grundlage für zahlreiche Gerichte benutzt wird. Wenn ich sie ins europäische
übersetzen würde, würde ich sagen, dass Gemüse-oder Fleischbrühe bei uns eine
ähnliche Funktion haben.

Bezüglich Gewürzen muss man hier ein bisschen umdenken, bzw.
sich einarbeiten. Die asiatische Küche ist etwas anders, als die europäische.
Generell essen die Asiaten auch gerne mal süß und benutzen Zucker beim
Zubereiten von Gerichten. Eine Koreanerin hat uns neulich beispielsweise
gezuckerte, geschnittene Tomaten serviert. Man möge meinen, das wäre eine sehr
merkwürdige Kombi, aber es schmeckt!

Als Würz-Grundlagen kann ich Mirin (Reisessig), Sojasoße,
Sesamöl und Goma (Sesam) empfehlen. Auch spielt in vielen Gerichten eine
bestimmte Sauce eine wichtige/tragende Rolle. Zum Beispiel werden Okonomiyaki
(eine Art Kohlpfannkuchen) mit Mayonnaise und Okonomiyaki-Sauce serviert. Ich
habe keine Ahnung, was in letzterer drin ist, aber sie schmeckt wirklich
unheimlich gut!

Für alle, denen das jetzt alles zu abenteuerlich klingt:
Nudeln und Pesto sind hier natürlich auch erhältlich. Und ich würde empfehlen,
ein japanisches Curry, Kare (mit langem -e), mal auszuprobieren. Es ähnelt
entfernt unseren Currys, hat aber doch noch einmal seinen eigenen Geschmack.
Zubereiten kann man es, indem man eine Kare-Packung kauft, in der sich die
Paste befindet, zu der man noch Wasser, und Gemüse und Fleisch nach Wahl
hinzufügen muss. Hier kann ich Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln empfehlen. Das
Ganze gibt eine gute, deftige Mahlzeit, die nicht allzu exotisch schmeckt. Auch
sind die Kare-Packungen in verschiedenen Schärfe-und Süße-Graden erhältlich.

Bezüglich Frühstück habe ich auch einen Tipp: Ich ernähre
mich hier von Müsli, Granola Cereals, die ich zusammen mit Milch oder Joghurt
esse. Weißes Brot (das etwas süßlich schmeckt), findet man hier massenweise,
aber da bin ich nicht so der Fan von. Ich habe jedoch jetzt auch schon ab und
zu „Full-Grain“-Brot gesehen und werde das bei Bedarf mal ausprobieren. Das ist
ein bisschen dunklerer Toast. Mit unserem Vollkornbrot aus Deutschland kann das
aber nicht mithalten… *seufz*. Käse ist hier übrigens eher teuer, ich glaube
der wird eher selten gegessen und ist daher eher eine Spezialität/Rarität.

Bevor ich nach Japan gekommen bin, hatte ich übrigens Angst
davor, was mit meinem Obst-Konsum passieren würde: Hier sind die Früchte
nämlich zweimal bis dreimal so teuer. Vor allem Trauben und Melonen sind
kostspielig. Ich finde die Preise für Kiwis, Bananen und Mandarinen aber echt
in Ordnung. Und kaufe mir dann lieber die, anstatt japanische Süßigkeiten. 😉

Dennoch: Ich muss sagen, dass ich Matcha gnadenlos verfallen
bin. Egal ob Eis, Schokolade oder Kuchen… Ich liebe das Zeug einfach! Und
langsam fange ich auch an, Anko (Rote Bohnenpaste) und Mochi wirklich zu mögen.
Was soll ich nur ohne das Zeug in Deutschland tun?!

Zum Abschluss möchte ich noch einmal sagen, dass es
eigentlich am besten ist, sein bisheriges Kochwissen einfach auf die japanische
Kultur zu übertragen. Im Endeffekt wird hier auch nur mit Wasser gekocht. 😉
Und es ist sinnvoll, sich jemanden zu schnappen, der Kanji recht gut lesen kann
(und sich auch etwas für Nahrungsmittel interessiert) und mit ihm zusammen
einkaufen zu gehen. So kann man sich später auch allein viel besser im
Supermarkt zurechtfinden.



Hilfe! Ich bin ein Analphabet

Kulturschock Posted on Wed, August 30, 2017 06:28AM

Im International House leben erfreulicherweise nicht nur
Austauschstudenten, sondern auch drei Japaner. Zwei davon durfte ich bereits
kennenlernen. Und sie studieren beide Englisch! Das ist wirklich praktisch,
wenn man so vieles nicht versteht… Eine der beiden, Ayaka-san, hat mich und
einen Chinesen dann auch zum Einkaufen begleitet, noch am ersten Abend. Es gibt
hier übrigens viele Supermärkte, die 24h geöffnet sind. Praktisch, aber das
schlägt sich auch in den Preisen nieder.

Der Besuch beim Supermarkt war sehr… interessant. Ich wusste
ja vorher, dass es wohl nur weißes Brot geben wird, aber ich war trotzdem nicht
auf so viel fremdes Essen eingestellt. Kannst du dir vorstellen, dass du in
einem Laden voller gefüllter Regale stehst, aber keine Ahnung hast, was du
damit anstellen sollst?

Zum Glück gibt es auch japanische Fertiggerichte zu kaufen,
die man dann warm machen kann. Was ich zum Frühstück essen sollte, war mir aber
trotzdem ein Rätsel… Dass in Japan Früchte teurer sind als in Deutschland,
wusste ich schon vorher. Aber es war trotzdem seltsam, dass Gemüse und Obst
eher im hinteren Teil des Ladens zu finden sind und in sehr kleinen Portionen
abgepackt sind. Hier kostet ein einzelner Apfel etwa 1,50€. Auch sind hier viele
Produkte aus Australien. Irgendwie muss man jetzt echt umdenken, was hier
Nachbarländer sind und was nicht. In Deutschland ist es mir sehr wichtig,
regionale Produkte zu kaufen. Auch kaufe ich vorwiegend Bio-Produkte.
Dementsprechend war es wirklich schlimm für mich, nicht lesen zu können, woher
die Produkte eigentlich kamen. Da ist mir so richtig bewusstgeworden, wie sich
eigentlich ein Analphabet fühlt. Wie viel ich eigentlich noch zu lernen habe.
Denn: noch nicht mal einkaufen kann ich hier ohne Hilfe!! Die Wahl fiel im
Endeffekt dann auf Heidelbeerjoghurt, eine kleine Schale Pflaumen und ein
besagtes Fertiggericht. Bis ich mich entschieden hatte, hat es aber bestimmt
gefühlte zwei Stunden gedauert. Und das war besonders unangenehm, weil ich
Ayase eigentlich keine extra Umstände bereiten wollte und diese
Unentschlossenheit wahrscheinlich auch für enge Freunde schon anstrengend gewesen
wäre.

Es gibt noch einen weiteren Grund dafür, dass ich so lange
gebraucht habe. Soweit ich weiß, dürfen hier auch Produkte aus der Umgebung von
Fukushima und aus Sendai verkauft werden. Sie sollen günstiger sein als die
Produkte aus anderen Regionen. Da ich kein Interesse an verstrahltem Essen
hege, bin ich also nochmal sensibler bezüglich der Herkunft. Ich kann das Ganze
nicht so locker sehen, wie ein Engländer, der auch am Programm teilnimmt: „What’s
the point of it? I’m gonna die
anyway and your mobile phone might be far worse, concerning radiation.” Ich
weiß zwar nicht, wie Ernst das gemeint war, aber auf jeden Fall macht es für
mich nochmal einen Unterschied, ob man ein Produkt nur bei sich trägt oder auch
tatsächlich isst und in sich aufnimmt!

Also heute habe ich Milch aus Hokkaido gekauft – das ist
schön weit weg von der Gefahrenzone. Wissen konnte ich das aber nur dank einer
Hamburgerin, die bereits viel mehr Kanji (Schriftzeichen) als ich kennt. Die
nächsten Wochen werde ich vermutlich die ganzen Zeichen bzw. Namen der
Präfekturen auswendig lernen, damit ich die Unbedenklichkeit meiner
Nahrungsmittel auch alleine einschätzen kann. Auch möchte ich auf jeden Fall
lernen, mir japanisches Essen selbst zuzubereiten. Kulinarisch europäisch zu
denken, macht hier wirklich sehr wenig Sinn. Ein bisschen beneide ich schon die
Chinesen, die können wenigstens lesen, was sie kaufen und entfernt kochen, was
sie gewöhnt sind. Aber zu einer Kultur gehört eben auch das Essen und deswegen
kann ich die Notwendigkeit, Japanisch kochen zu lernen, ja eigentlich auch
begrüßen! 😉