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Jasmin VerReist

Über den Blog

Für alle Japan-Begeisterten, Reisefreunde und Kulturinteressenten oder auch einfach für die Leute, die sich fragen was ich "da drüben" so treibe, habe ich diesen Blog geschaffen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke aus Japan mit euch teilen.

Japanisches Neues Jahr

Japan Posted on Sat, April 21, 2018 05:57PM

Wie im letzten Post schon versprochen, werde ich heute ein
paar Neujahrsbräuche vorstellen.

Für die Japaner nimmt Neujahr einen ähnlichen Stellenwert
wie für uns Weihnachten ein. Gefeiert wird deswegen im Kreis der Familie. Die
Neujahrszeit ist eine der Hauptferienzeiten in Japan, und die meisten Firmen
schließen vom 29. Dezember bis 3. Januar.

Das Ende des Jahres wird genutzt, um mit altem und
ungeklärtem abzuschließen und Dinge zu Ende zu bringen. Auch wird das Haus geputzt,
auf Vordermann gebracht und geschmückt.

Ähnlich wie unsere Weihnachtsfeiern trifft man sich im
Dezember mit der Firma oder der Abteilung zu einem sogenannten „Bounenkai“ um für
das letzte Jahr zu danken. Die Kanji, mit denen „Bounenkai“ geschrieben wird,
bedeuten übrigens so viel wie „das letzte Jahr vergessen“. Vielleicht wird
deswegen ja so viel Alkohol konsumiert? ^^

Was man als Japaner auf keinen Fall vergessen sollte, ist
das Versenden von Neujahrskarten an Bekannte und Kollegen. In Deutschland versendet
man auch mal eine Weihnachtskarte an die Oma oder so, aber hier gehört es
tatsächlich zur guten Etikette. Damit diese Karten auch genau an Neujahr
ankommen, werden sie übrigens von der üblichen Post getrennt gesammelt (es gibt
sogar einen extra Briefkasten dafür!) und tatsächlich am 1.1. ausgetragen.

Ist der 31. Dezember, Omisoka genannt, dann schließlich
gekommen, ist es Tradition, Soba-Nudeln zu essen. Das sind japanische, schmale
Nudeln aus Buchweizen, die durch ihre Länge für ein langes Leben stehen. Auch
machen viele in der Nacht auf Januar den ersten Tempelbesuch des Jahres,
Hatsumode genannt.

Um 24:00 gibt es dann kein lautes Knallen von Feuerwerk,
sondern man kann buddhistische Tempelglocken hören. Mit dem Schallen des Gongs
wird das neue Jahr eingeleitet und das Tierkreiszeichen wechselt. Letztes
Neujahr wurde beispielsweise das Jahr des Hahns vom Jahr des Hundes abgelöst.

Am nächsten Tag wird dann Oshogatsu, das neue Jahr gefeiert.

Es gibt besonderes Essen, die Kindern bekommen Neujahrsgeld von
ihren Verwandten, Spiele werden gespielt. Zur Feier werden traditionell Mochi
und „Osechi Ryouri“ gegessen. Osechi Ryouri ist eine spezielle Variante des
Obentos, einer japanischen Lunchbox. Die Speisen werden bereits im letzten Jahr
vorbereitet und kalt gegessen oder erwärmt.

Ursprünglich liegt der Gedanke dahinter, dass auch die
Hausfrau der Familie an Neujahr nicht arbeiten muss und sich gemeinsam mit der
Familie erholen kann. Heute bieten auch viele Supermärkte und Feinkostläden
Osechi Ryouri-Lunchboxen auf Bestellung an, weil die Zubereitung sehr aufwendig
ist.

Die Zutaten eines Osechi Ryouri haben alle eine Bedeutung.
Beispielsweise erinnert die gekrümmte Haltung der Garnele an eine alte gebeugte
Frau und steht für ein langes Leben. Oder die orangen Fischeier des Herings
stehen für eine Vielzahl von Kindern und Nachkommen und dafür für eine hohe
Fruchtbarkeit.

In den ersten Tagen nach Neujahr wird der Schrein besucht.
Ähnlich wie in Deutschland die Kirche vor allem an Heiligabend voll ist, gehen
die Japaner am 1. und 2. Januar zum Schrein um für ein gutes neues Jahr zu
beten.

Bekannten und Unbekannten Leuten wird ein „Akemashite
omedetou“ gewünscht, was so viel bedeutet wie „Frohes Neues“ oder „Auf gute
Zusammenarbeit auch dieses Jahr“.

Ab dem 3. Januar wird dann wieder gearbeitet und spätestens bis
zum 7. Januar ist dann auch alle Dekoration wieder entfernt und es geht normal
mit dem Alltag weiter. Für uns wäre das quasi die Zeit, in der der Christbaum
abgebaut und in die Obhut von Feuerwehr und Co. gegeben wird.

In der Vergangenheit wurde Neujahr übrigens an einem anderen Tag gefeiert, am
chinesischen Neujahr. Die Chinesen richten sich nämlich nach dem Mondkalender
und für sie beginnt daher das neue Jahr mit dem Neumond zwischen 21. Januar und
21. Februar. Mit der „Westernisierung“ Japans im Meiji Zeitalter von 1868-1912 haben
sich die Japaner jedoch an unseren Gregorianischen Kalender angepasst.



Weihnachten und Traditionen

Japan Posted on Sat, March 31, 2018 06:21PM

Feiern die Japaner eigentlich Weihnachten?

(Diese Frage und dieser Post kommen vielleicht etwas spät. Aber besser spät als
nie, nicht wahr?) smiley

Die Antwort ist: Ja! Die Japaner feiern Weihnachten. Aber
ganz anders, als wir es in Deutschland oder eben Europa tun.
Während in Deutschland Heiligabend normalerweise mit der
Familie verbracht wird, verbringt man in Japan den Abend mit seinem Partner. Es
ist ein Event für Pärchen, eigentlich so ähnlich, wie wir Valentinstag feiern.
Habt ihr Freunde oder Bekannte, die an Valentinstag nicht allein sein wollen
und die vor Valentinstag unbedingt noch einen Partner finden wollen? In Japan
kommt schon mal vor, dass große Anstrengungen unternommen werden um vor dem 24.
noch einen Partner zu finden. Oder man einfach mal den erstbesten nimmt, der in
Frage kommt. Ob man auf Langfrist zusammenbleibt, scheint da eher zweitrangig
zu sein.

Was machen jetzt aber die Leute, die keinen festen Partner
haben? Alleine bleiben? Muss nicht sein, denn man trifft sich einfach mit
seinen Single-Freunden und verbringt den Abend gemeinsam. Im Wohnheim haben wir
beispielsweise eine große Weihnachtsfeier veranstaltet, bei der jeder etwas zu
Essen und ein Geschenk mitgebracht hat. Es hat sich zwar mehr wie eine lustige
Feier angefühlt, als tatsächlich „Weihnachten“, aber schön war es trotzdem. 😊

Ein spannender Punkt beim japanischen Weihnachten ist das
Essen. Ich weiß wirklich nicht woher der Brauch kommt. Aber für einen Japaner
bedeutet Weihnachten: Chicken von KFC! Alle rennen zu Kentucky Fried Chicken
und kaufen frittiertes Hühnchen zum Mitnehmen. Die Schlangen sollen ziemlich
lang sein. Zum Nachtisch gibt es einen Kuchen, der mit Schlagsahne und
Erdbeeren verziert ist. Ke-ki wird er auf Japanisch genannt. Erdbeeren im
Winter? Fragt man sich vielleicht. Aber in Japanisch scheinen die wohl einfach
zum Fest dazu zu gehören, vielleicht ähnlich wie bei uns der Christbaum. Damit
hängt vielleicht auch zusammen, dass die Erdbeersaison in Japan schon im
Dezember beginnt und nicht erst im Frühling.

Warum haben die Japaner nun aber so ein anderes Verhältnis
zu Weihnachten? In Japan ist das Christentum kaum verbreitet. Die Religionen
sind Shintoismus und Buddhismus.

Es besitzt also keine kulturelle oder traditionelle Basis.
So, wie wenn wir in Deutschland Halloween oder Thanks Giving feiern, einfach
weil wir es mögen uns zu verkleiden oder gutes Essen zu uns zu nehmen. Es ist
also ein Fest, das durch Kommerz und Globalisierung entstanden ist.

Einen anderen Stellenwert hingegen nimmt Neujahr im Leben
der Japaner ein. Darüber dann im nächsten Post mehr. 😊



Von japanischen Häusern

Japan Posted on Sat, March 31, 2018 06:19PM

Während den Winterferien haben Jan und ich die Zeit genutzt,
Japan zu erkunden. Eine Etappe unserer Reise hat uns nach Hiroshima geführt. Dort
haben wir in einer Unterkunft im klassisch japanischen Stil übernachtet.

Wie kann man sich so ein Haus vorstellen? Die Wände sind aus
Reispapier und lassen sich aufschieben. Es gibt Tatamizimmer und man schläft
auf Futons auf dem Boden. Durch die dünnen Wände wird es aber auch richtig kalt
im Winter, Isolation gibt es hier kaum. Da hört man auch den Nachbarn im
übernächsten Zimmer durch die Wände schnarchen. 😉

Warum bauen die Japaner solche Häuser? Sie gehen nicht davon
aus, für immer an diesem Ort zu wohnen. Muss folglich also nicht so massiv
sein. Außerdem spielen vielleicht auch Naturgewalten wie Erdbeben eine Rolle,
durch die Häuser eh schnell zerstört werden können…

Im Deutschen herrscht hingegen die Vorstellung davon, mit
den eigenen Händen ein massives Haus zu bauen, in dem man alt werden kann. Erinnert
mich ein bisschen an das Sprichwort der Schwaben: „Schaffe, schaffe, Häusle
baue.“

Generell wird jedoch mittlerweile mehr (zumindest optisch)
im westlichen Stil gebaut. Dabei sind die Japaner aber wirklich schnell und
effizient. Hier in Nagakute, der familienreichsten Gegend in Japan, wachsen wie
über Nacht gefühlt ständig Einfamilienhäuser aus dem Boden. Man kann auf den
Baustellen förmlich zuschauen, wie ein Haus gebaut wird…

Aufgrund ihrer plattentektonischen Lage wissen Japaner
übrigens sehr viel darüber, wie man erdbebensichere Gebäude baut. Aus
akademischer Sicht kann es also sehr spannend sein, von diesen Spezialisten zu
lernen. Einer der anderen Austauschstudenten aus Bali hat beispielsweise vor,
im Anschluss an das Sprachprogramm hier in Japan Architektur zu studieren.



About… making friends. Japanese Friends.

Japan Posted on Wed, November 08, 2017 06:52AM

Diesen Eintrag wollte ich eigentlich schon länger schreiben.
Jetzt tue ich es endlich mal. Es ist Freitagabend, ich habe eine Woche voller
bunter, toller Erfahrungen und Erlebnisse in Osaka, Kyoto und Nara hinter mir
und freue mich auf Morgen. Da werde ich mit zwei Mädels von hier ins Kiso
Valley zum Wandern fahren.

Seit über zwei Monaten bin ich jetzt schon in Japan und
studiere die japanische Sprache. Ich erinnere mich gut daran, wie ich vor ein
paar Wochen sehr, sehr deprimiert war, weil ich das Gefühl hatte, keine Japaner
kennenzulernen. Also im Sinne von mehr als übers Wetter reden oder zu erklären,
was man denn so toll an Japan findet. Ich hatte das Gefühl, nicht richtig aus
meiner „Blase“ rauszukommen: Unterricht, Gym oder Pool, Einkaufen, Kochen, mit
den Internationals im iHouse quatschen und Hausaufgaben am Abend…

Bei den gelegentlichen Partys und Veranstaltungen, die die
Japaner für uns veranstalteten, war ich eher ziemlich gestresst, weil es immer
einen ziemlichen genauen Plan gab, wann was gemacht werden sollte. Ich konnte
trotzdem mit vielen Leuten reden, hatte aber immer im Hinterkopf diese
Gelegenheiten gut nutzen zu müssen, weil es nicht so viele Überschneidungen mit
dem Alltag der Japaner gab… So sammelte ich viele LINE-Kontakte, hatte aber im
Endeffekt keinen großen Überblick darüber, wer jetzt wer war.

Dennoch… filterte sich dann ein Mädchen heraus, das mir auch
öfter mal in der Uni über den Weg lief und mit dem ich mich dann zum Essen
verabredete. Übrigens ist es wirklich ein merkwürdiges Gefühl, wenn jemand
freudestrahlend auf dich zukommt und deinen Namen kennt, du im Gegenzug aber im
ersten Moment noch nicht mal einordnen kannst, woher ihr euch kennt… Aber hey,
da wir Europäer so anders aussehen, haben die Japaner hier wirklich einen
großen Vorteil! Ich bin übrigens nicht die einzige, die ein bisschen Probleme
hatte, sich Namen und Gesichter zu merken. Aber gut fühlt man sich dabei
trotzdem nicht.

(Mittlerweile würde ich aber sagen, dass ich schon besser
darin geworden bin. Und am besten ist es, immer nur wenige Namen zu lernen und
sich Eselsbrücken zu bauen. Manche klingen nämlich wie Blumen oder Farben. Oder
was zu Essen…)

Jedenfalls – Nummern zu bekommen ist gar nicht so schwer.
Vor allem hat man wirklich einen gewissen Europäer-Bonus: Ich glaube, wenn ich
jedes Mal etwas Geld bekommen würde, wenn mich ein Mädchen anstatt mit „Hallo“
einfach mit dem Ausruf: „Kawaii!“ begrüßt und staunend anstarrt, wäre ich jetzt
richtig, richtig reich… Das ist anfangs ganz cool, aber irgendwann nervt es,
weil man sich doch sehr wie ein Objekt vorkommt. Und sich Sorgen darübermacht,
ob einen die Leute nur mögen, weil man eben aussieht, wie man aussieht. (Es
wird übrigens auch nicht besser, wenn wildfremde Mädchen dich in der Umkleide
ansprechen und ein Foto mit dir machen möchten.) Wenn man das Ganze aber mit
einem Lächeln und Schulterzucken sehen kann, ist es aber auch möglich, sich auf
die guten Seiten zu konzentrieren: Es ist ziemlich einfach, überhaupt in
Kontakt miteinander zu kommen. Europäer sind so gesehen erst mal verschlossener
würde ich sagen.

Also musste ich eigentlich einfach nur noch an einen Ort
gehen, wo man viele Japaner in ungezwungener Atmosphäre treffen kann und den
Mund aufmachen. Bei uns wären das vielleicht Studentenkneipen. Oder irgendwelche
Fachschafts-Partys. So etwas gibt es hier (leider) eher weniger. Die typische
Studenten-Atmosphäre in der man immer mal wieder zusammen ein Bier trinken
geht, herrscht hier weniger. Liegt vermutlich auch daran, dass der Konsum von
Alkohol erst ab 20 legal ist.

Wunderbarerweise gibt es hier aber eine andere Möglichkeit,
sich zu sozialisieren: Club-Aktivitäten! Nach dem Unterricht oder der
Universität ist es für Japaner ganz normal, noch gemeinsam Sport zu machen oder
ein anderes Hobby zu teilen. Daher war die Frage eigentlich eher: Wo finde ich
Leute, die sich für die gleichen Sachen interessieren wie ich? Ich liebe es, zu
tanzen. Deswegen bin ich einfach zum Treffen des HipHop und Jazz-Tanz-Clubs
gegangen. Das war recht aufregend, denn ich bin da ganz alleine hin. Ich kam
mir echt wie der bunte Hund vor. Im Endeffekt war es aber eine echt tolle
Entscheidung. Denn sobald ich einfach zu einer Gruppe von Mädels freundlich
Hallo gesagt hatte und erklärt hatte, was ich wollte, wurde ich mit offenen
Armen empfangen und integriert. Japaner sind wirklich sehr hilfsbereit! Solange
du einfach den Mumm hast, auf sie zuzugehen, kommt eigentlich immer was zurück.
Zum Club werde ich aber erst ab nächster Woche gehen, weil dann mit einer neuen
Choreographie angefangen wird.

Was sich aber sonst noch ergeben hat, ist der Volleyball-Club:
Dorthin hat mich mein Buddy mitgenommen. Obwohl ich zu meiner Schulzeit
eigentlich kein großer Fan von Volleyball war, gehe ich jetzt seit etwa einem
Monat zu den Treffen. Da der Club über 100 Mitglieder hat, geht es sehr locker
zu und die Teams werden immer wieder durchgemischt. Da auf den zwei
Spielfeldern immer nur 24 Leute aktiv spielen können, bleibt viel Zeit, sich
mit den anderen Leuten zu unterhalten. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal
sagen würde, aber ich bin wirklich froh, so lange in der Schule Volleyball
gelernt zu haben. So ist es echt angenehm, zu spielen, während man Kontakte
knüpft. 😊

Weiterhin lerne ich auch durch die Japanerinnen, die im
iHouse wohnen, Leute kennen oder die Bewohner, die schon das zweite Jahr hier
sind, bringen ihre Freunde mit. Bezüglich Freizeitplanung ist mir eines
aufgefallen: Hier wird gerne weit im Voraus geplant. Es ist nicht selten, dass
ich mich mit jemandem in zwei Wochen zum Essen verabrede. Oder ein Ausflug
geplant wird, der erst in einem Monat stattfinden wird. Anfangs hatte ich
deswegen das Gefühl, dass sich nichts tut. Wenn man dann aber etwas macht, wird
es meistens richtig cool. Deswegen braucht man hier einfach etwas Geduld… (Und
wenn man viele Pläne im Voraus macht, ist irgendwann immer was los. 😉)

Zum Schluss reiße ich noch das Thema Gender an: Man sieht
hier wenig gemischte Freundeskreise. Meist bleiben Mann und Frau eher unter
sich. Deswegen hat Miles zum Beispiel recht schwer, sich mit den Leuten in
seinem Studiengang (Global Communication) anzufreunden. Das sind nämlich nur
Mädels. Und die kichern dann ziemlich viel, wenn der aus dem Ausland mit ihnen
spricht und fühlen sich schnell angebaggert. Meine Japanerin hat mir jedenfalls
erzählt, dass die japanischen Kerle meistens entweder schüchtern sind oder sich
mehr für Anime und Games interessieren, als für Mädels. Deshalb wird Kontakt
von männlicher Seite wohl schnell als Anmache gesehen… Im Volleyball-Club kommt
mir das aber nicht so vor. Da habe ich das Gefühl, dass alle sehr locker und
freundschaftlich miteinander umgehen. Das liegt aber vielleicht auch an der
ungezwungenen Atmosphäre? Ich bin jedenfalls echt froh drüber.

Nun verabschiede ich mich wieder bis zum nächsten Mal. Es
tut mir Leid, wenn ich nur spärlich schreibe, aber ich hoffe ihr bleibt mir
trotzdem treu und schaut immer mal wieder rein! 😊



Depression und Lichtblicke

Japan Posted on Fri, October 20, 2017 05:00AM

Ich geb’s zu – in letzter Zeit war ich etwas schreibfaul.

Das hängt mit dem Tagesablauf zusammen. Der ist ziemlich
vollgepackt. Jeden Tag stehen zwei Stunden Grammatik-und Vokabel-Unterricht auf
dem Tagesplan. Zweimal die Woche eine Stunde Hörverstehen. An zwei Nachmittagen
in der Woche werden jeweils zwanzig neue Kanji gelernt. An einem der Nachmittage
wird Lesen- und Texte verfassen geübt und an den anderen beiden werden die
Schreibfertigkeiten im Kalligraphieunterricht (Shodo) trainiert und im Ikebana
Unterricht (Kado) nicht nur japanische Blumen vorgestellt, sondern auch
generelles über die Japanische Kultur gelernt. (Die Blumen dürfen wir übrigens
behalten und mit nach Hause nehmen!) Obendrauf kommen dann noch die
Hausaufgaben und das Lernen der neuen Wörter, was etwa zwei bis drei Stunden in
Anspruch nimmt.

Volles Programm also. Ein ultimativer Intensiv-Japanisch
Kurs. Auch sehr effektiv muss ich sagen, im Alltag fallen mir immer wieder die
Fortschritte auf. Aber irgendwann kommt man dann einen Punkt, an dem der Kopf
sagt: Nein, es reicht jetzt! Weil er einfach Zeit braucht, alles zu verarbeiten
und zu sortieren…

Ich glaube so ähnlich wie mir jetzt geht es auch den
Japanern während ihrer High School-Zeit. Die ist ziemlich fordernd. Die Uni
soll jedoch wieder etwas lockerer sein – da bin ich ab und zu etwas neidisch,
wenn ich unser Austausch-Studenten-Sonderprogramm mit der „normalen“ Uni
vergleiche… 😊

In der restlichen Zeit gehe ich in die Gym oder Schwimmen, koche, spiele Klavier, lese oder unterhalte mich mit den anderen Leuten hier.
Man kommt irgendwie schnell in einen Trott rein, jeder Tag ist ähnlich. Und ab
und zu geht mir das auf den Geist! Es ist fast als ob man sich in einer Blase
bewegt und nicht wirklich Neues erlebt. Ich bin hergekommen, um Japan und seine
Kultur kennenzulernen. Derzeit sehe ich gefühlt aber nur das Klassenzimmer von
innen oder mein eigenes. Das NERVT!

Und mir fehlt die Leichtigkeit! Alles ist aufs Lernen
ausgerichtet. Ich erwische mich dabei, wie ich versuche, mir eine halbe Stunde
fünf verschiedene Wörter einzuprägen, die alle irgendwie gleich klingen. Und
sie dann doch nicht behalte…

Aber dann kommen doch wieder die Lichtblicke.

Ein Abend, den man zusammen in einer Izakaya mit japanischer
Hausmannskost, Pflaumenwein und Bier verbringt.

Ein gemeinsames Mittagsessen in der (echt leckeren!)
Schulkantine mit japanischen Bekannten. Und man kann tatsächlich verstehen, was
sie sagen und auch antworten!

Nächtliche Tanzeinlagen im Gemeinschaftsraum, um den Kopf
wieder frei zu kriegen.

LINE-Messenger-Nachrichten von Japanern, die man plötzlich
auf Anhieb lesen und verstehen kann.

Anna aus Deutschland meint übrigens, es sei normal, dass
nach der ersten Freude und Euphorie in einem neuen Land das „emotionale Tief“
kommt, in dem man alles furchtbar findet und nach Hause möchte. 😀 Hahaha,
hiiiier! Mir fehlt meine Familie. Der Wald. Und ich möchte Kastanien und Pilze
sammeln gehen und am Wochenende mit meinen Freunden feiern.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich hier bei Weitem
noch nicht genug gesehen, um mit gutem Gewissen einfach wieder nach Hause fahren
zu können. Daher werde ich es hier wohl noch ein Weilchen aushalten. 😊

Außerdem: nächste Woche steht endlich die Exkursion nach
Nara und Kyoto an. Danach haben wir fünf Tage frei, die ich in Osaka verbringen
werde. Daher: Kopf hoch und weiter geht’s.

Nächstes
Mal: How to make friends with Japanese.



… und japanischen Mädchen

Japan Posted on Fri, September 01, 2017 12:12AM

Zum
Schluss möchte ich noch etwas über die japanischen Mädchen sagen:

Sie sind alle
sehr zierlich, zurechtgemacht und hübsch gekleidet. Nicht selten sieht man, wie
eine in ihrem Taschenspiegel checkt, ob das Make-Up noch sitzt. Sie sind alle
sehr niedlich und lieb – aber ich kann noch nicht so gut einschätzen, wie sie
tatsächlich ticken.

Mit den anderen Internationals habe ich mich gestern schon
über die japanischen Mädchen unterhalten. Anscheinend herrscht in Japan noch
ein bisschen das Bild davon, dass Frauen schön und ruhig sein sollen.
Intelligenz und Scharfsinn sollen als nicht so beliebt gelten, weshalb sich
auch viele Mädchen dümmer stellen, als sie eigentlich sind. Ein Engländer
beschrieb japanische Mädchen als hübsch, aber „dull“ und auch die Deutsche
erzählte, dass viele Mädchen hauptsächlich über „Boyfriends“ und Make-Up
tratschen.

Ich hatte bisher schon den Eindruck, dass Aussehen bei den jungen
Leuten eine Rolle spielt. Viele der Jungs tragen coole Frisuren, wie man sie
aus Youtube-Videos oder von Boy-Groups kennt und trendige Klamotten oder
Schmuck.

Klamottentechnisch kann man sich hier übrigens auch noch was abschauen: trotz der Hitze läuft hier nicht jeder mit Top
und kurzen Hosen rum. Die Japaner tragen eher knöchellange, weite Stoffhosen
oder Röcke und weite Oberteile und leichte Blusen, die gut durchlüftet werden.
Gar nicht so dumm, bei der Kombi aus über 30 Grad Außentemperatur und den krass
runtergekühlten Räumen.

So weit zu meinen Beobachtungen, die ich bisher gemacht
habe. Ich bin ziemlich gespannt, wie sich mein Bild von den Japanern noch
verändern wird, während ich hier lebe. Auch hoffe ich, dass ich schnell
Fortschritte mit meinen Sprachkenntnissen machen werde, damit ich mich besser
mit ihnen unterhalten kann – denn nur so kann ich besser verstehen, was
eigentlich hinter den Äußerlichkeiten steckt. 😊



Getting to know Nagoya

Japan Posted on Wed, August 30, 2017 06:30AM

Ich wusste ja vorher schon, dass es heiß sein würde in
Nagoya. Aber jetzt habe ich erst begriffen, was ein humid-warmes Klima
überhaupt bedeutet. Jedes Mal, wenn man die klimatisierten Häuser und Läden
verlässt, fühlt man sich wie von einer feucht-warmen Welle überrollt. Dass es
auch noch nachts noch so warm ist, hat aber einen Vorteil: Die nassen
Handtücher trocknen wunderbar über Nacht auf dem Balkon!

Der Hitze war wohl auch der Vorschlag einer Koreanerin zu
verdanken, sich erst gegen Nachmittag zu treffen um Besorgungen zu machen und
die Gegend zu erkunden. Im Endeffekt kam mir das sehr entgegen – ich konnte
problemlos bis 12 Uhr 30 schlafen. 😊 Zum Frühstück gab es dann Yakisoba in einer
Art Pfannkuchen. Auch waren wieder weitere neue und vom Vorabend bekannte
Gesichter zu sehen. Und es wurden LINE-Kontaktdaten ausgetauscht, das ist hier
quasi das japanische Whatsapp.

Gemeinsam ging es dann auf Erkundungstour zu einem „Hyaku-en-Laden“
– Hier kostet alles 100 Yen (etwa 80 Cent) das nicht extra deklariert ist. Hier
gab es beispielsweise ein paar Hausschuhe für mich, denn im iHouse sind ganz
nach japanischer Sitte die Schuhe im Eingangsbereich gegen Hausschuhe
auszutauschen.

Als wir den Laden wieder verlassen hatten, hatte sich noch
eine Französin zu unserer Gruppe dazugesellt. Ich hielt sie ja für eine weitere
International aus unserem Haus – vermutlich vom oberen Stockwerk. Wie sich
später herausstellte, wohnte sie wo anders und ging sogar auf eine andere
Universität als wir. Und auf dem Rückweg trafen wir vor dem Seven-Eleven mit
freiem WiFi-Zugang einen Amerikaner, mit dem wir uns auch noch eine Stunde
verquatschten. Ich weiß nicht wie ich es anders sagen soll, aber wenn man hier
in Japan aufeinandertrifft, ist irgendwie jeder Gaijin (Ausländer) dein Freund!

Abends ging es dann zum Sushi essen. Das Verhältnis sah
folgendermaßen aus: Zwei Chinesen, zwei Engländer, zwei deutsche und eine
Japanerin. Alle, die mich kennen, wissen: Ich liebe Sushi sehr! Sushi ga dai
suki desu. Aber in Japan ist es nochmal ganz anders als in Deutschland.
Erstmal: Als wir dort ankamen, zogen wir erst mal eine Nummer – fast wie beim
Bürgerbüro. Dann warteten wir im Vorraum mit einigen anderen Japanern darauf,
dass wir an die Reihe kamen.

Das Restaurant war ein Running-Sushi, das heißt, dass Teller
mit kleinen Portionen an einem vorbeilaufen und man sich herunternehmen kann,
was man möchte. Jeder Teller kostet 100 Yen. In Japan wird die Steuer übrigens
nicht gleich auf die Waren aufgerechnet. Der Aufschlag kommt erst an der Kasse
dazu. Hier wäre der Preis dann 108 Yen gewesen. Wir bezahlten aber etwas
weniger, da es unter der Woche eine Vergünstigung gibt.

Jetzt kommt das Besondere: Zu Trinken gab es grünen Tee.
Dafür gab es ein grünes Pulver in einer Art Salzstreuer und einen Wasserhahn
direkt am Tisch, aus dem heißes Wasser kam. Und gab es eine Speise, die man
haben wollte, nicht auf dem Band, konnte man einfach per Automat auswählen, was
man haben wollte und so direkt bestellen. Bei Problemen konnte die Bedienung
ganz einfach durch einen Knopf herbeigerufen werden. Faszinierend! Ich war
wirklich froh, dass Ayaka dabei war.

Morgen wird es dann richtig losgehen mit dem Programm.
Neben einigen Unterlagen habe ich mir heute auch den Plan des iHouses
angesehen. Und es scheint im Erdgeschoss einen Flügel oder zumindest ein Piano
zu geben! Das werde ich die kommenden Tage wohl mal auskundschaften. 😊 Hihi, und ich habe entdeckt, dass die Wlan-Verbindung
(die eigentlich nur im Gemeinschaftsraum besteht) bis in mein Zimmer reicht! Da
hab ich wohl echt Glück gehabt mit der Verteilung. 😊