Wie im letzten Post schon versprochen, werde ich heute ein
paar Neujahrsbräuche vorstellen.

Für die Japaner nimmt Neujahr einen ähnlichen Stellenwert
wie für uns Weihnachten ein. Gefeiert wird deswegen im Kreis der Familie. Die
Neujahrszeit ist eine der Hauptferienzeiten in Japan, und die meisten Firmen
schließen vom 29. Dezember bis 3. Januar.

Das Ende des Jahres wird genutzt, um mit altem und
ungeklärtem abzuschließen und Dinge zu Ende zu bringen. Auch wird das Haus geputzt,
auf Vordermann gebracht und geschmückt.

Ähnlich wie unsere Weihnachtsfeiern trifft man sich im
Dezember mit der Firma oder der Abteilung zu einem sogenannten „Bounenkai“ um für
das letzte Jahr zu danken. Die Kanji, mit denen „Bounenkai“ geschrieben wird,
bedeuten übrigens so viel wie „das letzte Jahr vergessen“. Vielleicht wird
deswegen ja so viel Alkohol konsumiert? ^^

Was man als Japaner auf keinen Fall vergessen sollte, ist
das Versenden von Neujahrskarten an Bekannte und Kollegen. In Deutschland versendet
man auch mal eine Weihnachtskarte an die Oma oder so, aber hier gehört es
tatsächlich zur guten Etikette. Damit diese Karten auch genau an Neujahr
ankommen, werden sie übrigens von der üblichen Post getrennt gesammelt (es gibt
sogar einen extra Briefkasten dafür!) und tatsächlich am 1.1. ausgetragen.

Ist der 31. Dezember, Omisoka genannt, dann schließlich
gekommen, ist es Tradition, Soba-Nudeln zu essen. Das sind japanische, schmale
Nudeln aus Buchweizen, die durch ihre Länge für ein langes Leben stehen. Auch
machen viele in der Nacht auf Januar den ersten Tempelbesuch des Jahres,
Hatsumode genannt.

Um 24:00 gibt es dann kein lautes Knallen von Feuerwerk,
sondern man kann buddhistische Tempelglocken hören. Mit dem Schallen des Gongs
wird das neue Jahr eingeleitet und das Tierkreiszeichen wechselt. Letztes
Neujahr wurde beispielsweise das Jahr des Hahns vom Jahr des Hundes abgelöst.

Am nächsten Tag wird dann Oshogatsu, das neue Jahr gefeiert.

Es gibt besonderes Essen, die Kindern bekommen Neujahrsgeld von
ihren Verwandten, Spiele werden gespielt. Zur Feier werden traditionell Mochi
und „Osechi Ryouri“ gegessen. Osechi Ryouri ist eine spezielle Variante des
Obentos, einer japanischen Lunchbox. Die Speisen werden bereits im letzten Jahr
vorbereitet und kalt gegessen oder erwärmt.

Ursprünglich liegt der Gedanke dahinter, dass auch die
Hausfrau der Familie an Neujahr nicht arbeiten muss und sich gemeinsam mit der
Familie erholen kann. Heute bieten auch viele Supermärkte und Feinkostläden
Osechi Ryouri-Lunchboxen auf Bestellung an, weil die Zubereitung sehr aufwendig
ist.

Die Zutaten eines Osechi Ryouri haben alle eine Bedeutung.
Beispielsweise erinnert die gekrümmte Haltung der Garnele an eine alte gebeugte
Frau und steht für ein langes Leben. Oder die orangen Fischeier des Herings
stehen für eine Vielzahl von Kindern und Nachkommen und dafür für eine hohe
Fruchtbarkeit.

In den ersten Tagen nach Neujahr wird der Schrein besucht.
Ähnlich wie in Deutschland die Kirche vor allem an Heiligabend voll ist, gehen
die Japaner am 1. und 2. Januar zum Schrein um für ein gutes neues Jahr zu
beten.

Bekannten und Unbekannten Leuten wird ein „Akemashite
omedetou“ gewünscht, was so viel bedeutet wie „Frohes Neues“ oder „Auf gute
Zusammenarbeit auch dieses Jahr“.

Ab dem 3. Januar wird dann wieder gearbeitet und spätestens bis
zum 7. Januar ist dann auch alle Dekoration wieder entfernt und es geht normal
mit dem Alltag weiter. Für uns wäre das quasi die Zeit, in der der Christbaum
abgebaut und in die Obhut von Feuerwehr und Co. gegeben wird.

In der Vergangenheit wurde Neujahr übrigens an einem anderen Tag gefeiert, am
chinesischen Neujahr. Die Chinesen richten sich nämlich nach dem Mondkalender
und für sie beginnt daher das neue Jahr mit dem Neumond zwischen 21. Januar und
21. Februar. Mit der „Westernisierung“ Japans im Meiji Zeitalter von 1868-1912 haben
sich die Japaner jedoch an unseren Gregorianischen Kalender angepasst.