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Jasmin VerReist

Über den Blog

Für alle Japan-Begeisterten, Reisefreunde und Kulturinteressenten oder auch einfach für die Leute, die sich fragen was ich "da drüben" so treibe, habe ich diesen Blog geschaffen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke aus Japan mit euch teilen.

Weihnachten und Traditionen

Japan Posted on Sat, March 31, 2018 06:21PM

Feiern die Japaner eigentlich Weihnachten?

(Diese Frage und dieser Post kommen vielleicht etwas spät. Aber besser spät als
nie, nicht wahr?) smiley

Die Antwort ist: Ja! Die Japaner feiern Weihnachten. Aber
ganz anders, als wir es in Deutschland oder eben Europa tun.
Während in Deutschland Heiligabend normalerweise mit der
Familie verbracht wird, verbringt man in Japan den Abend mit seinem Partner. Es
ist ein Event für Pärchen, eigentlich so ähnlich, wie wir Valentinstag feiern.
Habt ihr Freunde oder Bekannte, die an Valentinstag nicht allein sein wollen
und die vor Valentinstag unbedingt noch einen Partner finden wollen? In Japan
kommt schon mal vor, dass große Anstrengungen unternommen werden um vor dem 24.
noch einen Partner zu finden. Oder man einfach mal den erstbesten nimmt, der in
Frage kommt. Ob man auf Langfrist zusammenbleibt, scheint da eher zweitrangig
zu sein.

Was machen jetzt aber die Leute, die keinen festen Partner
haben? Alleine bleiben? Muss nicht sein, denn man trifft sich einfach mit
seinen Single-Freunden und verbringt den Abend gemeinsam. Im Wohnheim haben wir
beispielsweise eine große Weihnachtsfeier veranstaltet, bei der jeder etwas zu
Essen und ein Geschenk mitgebracht hat. Es hat sich zwar mehr wie eine lustige
Feier angefühlt, als tatsächlich „Weihnachten“, aber schön war es trotzdem. 😊

Ein spannender Punkt beim japanischen Weihnachten ist das
Essen. Ich weiß wirklich nicht woher der Brauch kommt. Aber für einen Japaner
bedeutet Weihnachten: Chicken von KFC! Alle rennen zu Kentucky Fried Chicken
und kaufen frittiertes Hühnchen zum Mitnehmen. Die Schlangen sollen ziemlich
lang sein. Zum Nachtisch gibt es einen Kuchen, der mit Schlagsahne und
Erdbeeren verziert ist. Ke-ki wird er auf Japanisch genannt. Erdbeeren im
Winter? Fragt man sich vielleicht. Aber in Japanisch scheinen die wohl einfach
zum Fest dazu zu gehören, vielleicht ähnlich wie bei uns der Christbaum. Damit
hängt vielleicht auch zusammen, dass die Erdbeersaison in Japan schon im
Dezember beginnt und nicht erst im Frühling.

Warum haben die Japaner nun aber so ein anderes Verhältnis
zu Weihnachten? In Japan ist das Christentum kaum verbreitet. Die Religionen
sind Shintoismus und Buddhismus.

Es besitzt also keine kulturelle oder traditionelle Basis.
So, wie wenn wir in Deutschland Halloween oder Thanks Giving feiern, einfach
weil wir es mögen uns zu verkleiden oder gutes Essen zu uns zu nehmen. Es ist
also ein Fest, das durch Kommerz und Globalisierung entstanden ist.

Einen anderen Stellenwert hingegen nimmt Neujahr im Leben
der Japaner ein. Darüber dann im nächsten Post mehr. 😊



Von japanischen Häusern

Japan Posted on Sat, March 31, 2018 06:19PM

Während den Winterferien haben Jan und ich die Zeit genutzt,
Japan zu erkunden. Eine Etappe unserer Reise hat uns nach Hiroshima geführt. Dort
haben wir in einer Unterkunft im klassisch japanischen Stil übernachtet.

Wie kann man sich so ein Haus vorstellen? Die Wände sind aus
Reispapier und lassen sich aufschieben. Es gibt Tatamizimmer und man schläft
auf Futons auf dem Boden. Durch die dünnen Wände wird es aber auch richtig kalt
im Winter, Isolation gibt es hier kaum. Da hört man auch den Nachbarn im
übernächsten Zimmer durch die Wände schnarchen. 😉

Warum bauen die Japaner solche Häuser? Sie gehen nicht davon
aus, für immer an diesem Ort zu wohnen. Muss folglich also nicht so massiv
sein. Außerdem spielen vielleicht auch Naturgewalten wie Erdbeben eine Rolle,
durch die Häuser eh schnell zerstört werden können…

Im Deutschen herrscht hingegen die Vorstellung davon, mit
den eigenen Händen ein massives Haus zu bauen, in dem man alt werden kann. Erinnert
mich ein bisschen an das Sprichwort der Schwaben: „Schaffe, schaffe, Häusle
baue.“

Generell wird jedoch mittlerweile mehr (zumindest optisch)
im westlichen Stil gebaut. Dabei sind die Japaner aber wirklich schnell und
effizient. Hier in Nagakute, der familienreichsten Gegend in Japan, wachsen wie
über Nacht gefühlt ständig Einfamilienhäuser aus dem Boden. Man kann auf den
Baustellen förmlich zuschauen, wie ein Haus gebaut wird…

Aufgrund ihrer plattentektonischen Lage wissen Japaner
übrigens sehr viel darüber, wie man erdbebensichere Gebäude baut. Aus
akademischer Sicht kann es also sehr spannend sein, von diesen Spezialisten zu
lernen. Einer der anderen Austauschstudenten aus Bali hat beispielsweise vor,
im Anschluss an das Sprachprogramm hier in Japan Architektur zu studieren.