Ich geb’s zu – in letzter Zeit war ich etwas schreibfaul.

Das hängt mit dem Tagesablauf zusammen. Der ist ziemlich
vollgepackt. Jeden Tag stehen zwei Stunden Grammatik-und Vokabel-Unterricht auf
dem Tagesplan. Zweimal die Woche eine Stunde Hörverstehen. An zwei Nachmittagen
in der Woche werden jeweils zwanzig neue Kanji gelernt. An einem der Nachmittage
wird Lesen- und Texte verfassen geübt und an den anderen beiden werden die
Schreibfertigkeiten im Kalligraphieunterricht (Shodo) trainiert und im Ikebana
Unterricht (Kado) nicht nur japanische Blumen vorgestellt, sondern auch
generelles über die Japanische Kultur gelernt. (Die Blumen dürfen wir übrigens
behalten und mit nach Hause nehmen!) Obendrauf kommen dann noch die
Hausaufgaben und das Lernen der neuen Wörter, was etwa zwei bis drei Stunden in
Anspruch nimmt.

Volles Programm also. Ein ultimativer Intensiv-Japanisch
Kurs. Auch sehr effektiv muss ich sagen, im Alltag fallen mir immer wieder die
Fortschritte auf. Aber irgendwann kommt man dann einen Punkt, an dem der Kopf
sagt: Nein, es reicht jetzt! Weil er einfach Zeit braucht, alles zu verarbeiten
und zu sortieren…

Ich glaube so ähnlich wie mir jetzt geht es auch den
Japanern während ihrer High School-Zeit. Die ist ziemlich fordernd. Die Uni
soll jedoch wieder etwas lockerer sein – da bin ich ab und zu etwas neidisch,
wenn ich unser Austausch-Studenten-Sonderprogramm mit der „normalen“ Uni
vergleiche… 😊

In der restlichen Zeit gehe ich in die Gym oder Schwimmen, koche, spiele Klavier, lese oder unterhalte mich mit den anderen Leuten hier.
Man kommt irgendwie schnell in einen Trott rein, jeder Tag ist ähnlich. Und ab
und zu geht mir das auf den Geist! Es ist fast als ob man sich in einer Blase
bewegt und nicht wirklich Neues erlebt. Ich bin hergekommen, um Japan und seine
Kultur kennenzulernen. Derzeit sehe ich gefühlt aber nur das Klassenzimmer von
innen oder mein eigenes. Das NERVT!

Und mir fehlt die Leichtigkeit! Alles ist aufs Lernen
ausgerichtet. Ich erwische mich dabei, wie ich versuche, mir eine halbe Stunde
fünf verschiedene Wörter einzuprägen, die alle irgendwie gleich klingen. Und
sie dann doch nicht behalte…

Aber dann kommen doch wieder die Lichtblicke.

Ein Abend, den man zusammen in einer Izakaya mit japanischer
Hausmannskost, Pflaumenwein und Bier verbringt.

Ein gemeinsames Mittagsessen in der (echt leckeren!)
Schulkantine mit japanischen Bekannten. Und man kann tatsächlich verstehen, was
sie sagen und auch antworten!

Nächtliche Tanzeinlagen im Gemeinschaftsraum, um den Kopf
wieder frei zu kriegen.

LINE-Messenger-Nachrichten von Japanern, die man plötzlich
auf Anhieb lesen und verstehen kann.

Anna aus Deutschland meint übrigens, es sei normal, dass
nach der ersten Freude und Euphorie in einem neuen Land das „emotionale Tief“
kommt, in dem man alles furchtbar findet und nach Hause möchte. 😀 Hahaha,
hiiiier! Mir fehlt meine Familie. Der Wald. Und ich möchte Kastanien und Pilze
sammeln gehen und am Wochenende mit meinen Freunden feiern.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich hier bei Weitem
noch nicht genug gesehen, um mit gutem Gewissen einfach wieder nach Hause fahren
zu können. Daher werde ich es hier wohl noch ein Weilchen aushalten. 😊

Außerdem: nächste Woche steht endlich die Exkursion nach
Nara und Kyoto an. Danach haben wir fünf Tage frei, die ich in Osaka verbringen
werde. Daher: Kopf hoch und weiter geht’s.

Nächstes
Mal: How to make friends with Japanese.