Da ich mich in Nagakute, dem Stadtteil, in dem ich wohne,
langsam ziemlich gut auskenne, wird es langsam Zeit, auch die weitere Umgebung
genauer zu erkunden. Dafür lässt sich das Wochenende gut nutzen. Ursprünglich
wollte ich zwar mit ein paar Leuten aus dem iHouse nach Tokyo fahren, aber für
zwei Tage lohnt sich das einfach kaum. Mit dem Bus braucht man nämlich vier
Stunden und der Schnellzug, der Shinkansen, ist (leider) ziemlich teuer.

Daher habe ich in meinem Reiseführer nach Anregungen für
nähergelegene Ausflugsziele gesucht. Und bin auch gleich fündig geworden:
Inuyama. Eine Stadt, die nördlich von Nagoya liegt und mit dem Zug innerhalb
von 40 Minuten zu erreichen ist. Die Bilder vom Schloss und der typisch
japanisch aussehenden Innenstadt haben mich gleich überzeugt. Und als ich
Misaki von meinen Plänen berichte, stößt die Japanerin ein verzücktes: „Ohhh,
Inuyama!“ aus, das mich in meinem Vorhaben noch bestärkt. Also nichts wie hin!

Nach einigem Gewusel im Dschungel der Tarifpreise, die wohl
so übersichtlich wie die deutschen sind, entscheide ich mich für ein Nagoya-Wochenend-Tagesticket
für 600 Yen und für die Zugfahrt vom Bahnhof nach Inuyama eine Manaca-Karte zu
benutzen. Das ist eine Karte für das öffentliche Transportsystem, die man für
ein Pfand erwerben und mit Geld aufladen kann. Möchte man mit der U-Bahn oder
den Zügen irgendwo hinfahren, kann man einfach mit der Karte einchecken und den
gewünschten Zug nehmen. Am Zielort checkt man dann wieder aus und bekommt
automatisch den Preis für die Entfernung ermittelt und von der Karte abgebucht.
Kinderleicht also! Und wenn man nicht genügend Guthaben auf der Karte hat um
den Bahnhof wieder zu verlassen, kann man sie einfach direkt am Automaten wieder
aufladen. Ich wette übrigens darum, dass sich nicht mal die Hälfte der Japaner tatsächlich
mit dem Tarifsystem auskennt und einfach mit der Manaca-Karte fährt. Die ist
einfach praktisch!

In Inuyama war es richtig schön. Es liegt direkt an dem
malerischen Fluss Kiso, der auch japanischer Rhein genannt wird. Auf einer
Anhöhe thront das Inuyama Schloss, das älteste, noch erhaltene Schloss in
Japan! Auch gab es viele Schreine. (Aichi ist übrigens die Präfektur mit den
meisten Schreinen und Tempeln in Japan). Und es gab eine wunderschöne
Einkaufsstraße in der Innenstadt, mit vielen Essensständen und buntem Gewimmel…
Viele der Mädchen trugen Yukatas, die Sommerversion der Kimonos. Inuyama ist
eigentlich genau so, wie ich mir japanische Städte immer vorgestellt habe – und
alles sieht tatsächlich ein bisschen so aus, wie man es aus den Animes kennt.

Zuhause habe ich dann noch einmal den Stadtplan von Nagoya
gecheckt und bemerkt, dass ich hier bereits einige Orte schon erkundet habe,
wie z.B. den Osu Kannon Tempel mit anschließender Osu Shopping District, den
Fernsehturm, sowie den Brunnen auf dem Oasis21-Shopping-Center. Ich finde es
ist sehr schönes Gefühl, wenn man bemerkt, dass ein Ort, der einem anfangs sehr
groß und unüberschaubar erschienen ist, langsam an Vertrautheit gewinnt. Als
nächstes möchte ich mir den Tokugawa Garten und den Hoshigaoka Campus, der auch
zu unserer Uni gehört, anschauen. Auch das Nagoya Schloss habe ich noch nicht
angeschaut, es steht aber ganz oben auf der Liste. 😊
Im Oktober wird es im Osu Shopping District wohl ein Streetfestival geben, von
dem ich schon einige Leute habe reden hören. Darauf bin ich schon gespannt!