Während ich das hier schreibe, sitze ich auf dem Balkon und
genieße die warmen Sonnenstrahlen der Septembersonne… In Nagoya ist es gerade
eher Spätsommer als Herbst und man kann immer noch die Zikaden hören. Heute ist
Feiertag (jap. Matsuri) in Japan. Grandparentsday, oder so ähnlich. Die Japaner
haben generell wenig Urlaubstage. Dafür gibt es aber viele Feiertage, die wir
in Deutschland nicht haben. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Geschäfte
hier geschlossen sind. Sonntags sind sie übrigens immer offen. Das hängt damit
zusammen, dass in Japan das Christentum nicht so weit verbreitet oder in der
Kultur verankert ist. Also gibt es auch keine Vorschrift, am Sonntag zu ruhen…

Seit drei Wochen bin ich jetzt hier und seit zwei Wochen
habe ich fünf Tage die Woche Sprachunterricht mit einer ordentlichen Portion
Hausaufgaben. Und ich muss sagen: Es schlaucht, es schlaucht! Vor allem die
ganzen Kanji zu lernen und langfristig beizubehalten, erweist sich als
knifflig. Denn vieles sieht auf den ersten Blick entweder gleich oder einfach
nur furchtbar kompliziert aus. Zum Glück sind alle Kanji aber aus immer
wiederkehrenden Elementen, den Radikalen, aufgebaut. Ich versuche mir daraus
immer kleine Geschichten zu überlegen, also Eselsbrücken, die mir helfen, mich
an den Aufbau zu erinnern. Das funktioniert eigentlich ganz gut, erfordert aber
viel Konzentration…

Inzwischen war ich beim Karaoke, habe Purikuras gemacht und
den ersten Taifun überlebt. Auch durfte ich einige koreanische und japanische
Popkünstler kennenlernen. Besonders im Ohr hängen geblieben ist mir ja dieser
Titel hier: https://www.youtube.com/watch?v=PDSkFeMVNFs Der wird irgendwie gleich zum Ohrwurm…

Durch ein paar Veranstaltungen, die die japanischen
Studenten für uns organisiert haben, konnte ich auch noch mehr japanische
Kontakte knüpfen (und Telefonnummern sammeln). Das geht über den
Messenger-Dienst LINE ganz fix über einen QR-Code. Darunter befinden sich aber
eigentlich nur Kontaktdaten von Mädels – die einzigen männlichen Japaner, die
ich kenne, sind der Hausmeister und mein Kalligraphielehrer (jap. Shodo). Ob
die männliche Belegschaft einfach wenig Interesse an internationalen
Beziehungen hat bzw. sich mehr gehemmt fühlt, Englisch zu sprechen? Da die
Shukutoku Universität aber früher Frauen vorbehalten war, kann es auch sein,
dass sich das immer noch auf die Gesamtverteilung der Studenten auswirkt…

Angefangen habe ich diesen Text am Montag und jetzt ist
schon wieder Donnerstag. Das spricht vielleicht dafür, wie gut beschäftigt wir
den Tag über sind. Meine Freizeit besteht eigentlich hauptsächlich aus
Hausaufgaben machen, mit den Chinesen um ein Zeitfenster am Flügel zu kämpfen,
Nahrungsmittel einzukaufen und zu verarbeiten oder mich mit den anderen
Internationals zu unterhalten. Gestern Abend sind wir aber wieder mal nach
Nagoya reingefahren um dem Campus-Alltag ein bisschen zu entkommen – das viele
Lernen kann einem wirklich zu Kopf steigen, wenn man nicht aufpasst. Und jetzt
verabschiede ich mich wieder bis zum nächsten Mal – in zehn Minuten bekommen
wir nämlich das Sport-Activity-System der Uni erklärt…