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Jasmin VerReist

Über den Blog

Für alle Japan-Begeisterten, Reisefreunde und Kulturinteressenten oder auch einfach für die Leute, die sich fragen was ich "da drüben" so treibe, habe ich diesen Blog geschaffen. Hier möchte ich meine Erfahrungen und Eindrücke aus Japan mit euch teilen.

Getting to know… Nagoya & Environment

Reise Posted on Sat, September 30, 2017 05:14AM

Da ich mich in Nagakute, dem Stadtteil, in dem ich wohne,
langsam ziemlich gut auskenne, wird es langsam Zeit, auch die weitere Umgebung
genauer zu erkunden. Dafür lässt sich das Wochenende gut nutzen. Ursprünglich
wollte ich zwar mit ein paar Leuten aus dem iHouse nach Tokyo fahren, aber für
zwei Tage lohnt sich das einfach kaum. Mit dem Bus braucht man nämlich vier
Stunden und der Schnellzug, der Shinkansen, ist (leider) ziemlich teuer.

Daher habe ich in meinem Reiseführer nach Anregungen für
nähergelegene Ausflugsziele gesucht. Und bin auch gleich fündig geworden:
Inuyama. Eine Stadt, die nördlich von Nagoya liegt und mit dem Zug innerhalb
von 40 Minuten zu erreichen ist. Die Bilder vom Schloss und der typisch
japanisch aussehenden Innenstadt haben mich gleich überzeugt. Und als ich
Misaki von meinen Plänen berichte, stößt die Japanerin ein verzücktes: „Ohhh,
Inuyama!“ aus, das mich in meinem Vorhaben noch bestärkt. Also nichts wie hin!

Nach einigem Gewusel im Dschungel der Tarifpreise, die wohl
so übersichtlich wie die deutschen sind, entscheide ich mich für ein Nagoya-Wochenend-Tagesticket
für 600 Yen und für die Zugfahrt vom Bahnhof nach Inuyama eine Manaca-Karte zu
benutzen. Das ist eine Karte für das öffentliche Transportsystem, die man für
ein Pfand erwerben und mit Geld aufladen kann. Möchte man mit der U-Bahn oder
den Zügen irgendwo hinfahren, kann man einfach mit der Karte einchecken und den
gewünschten Zug nehmen. Am Zielort checkt man dann wieder aus und bekommt
automatisch den Preis für die Entfernung ermittelt und von der Karte abgebucht.
Kinderleicht also! Und wenn man nicht genügend Guthaben auf der Karte hat um
den Bahnhof wieder zu verlassen, kann man sie einfach direkt am Automaten wieder
aufladen. Ich wette übrigens darum, dass sich nicht mal die Hälfte der Japaner tatsächlich
mit dem Tarifsystem auskennt und einfach mit der Manaca-Karte fährt. Die ist
einfach praktisch!

In Inuyama war es richtig schön. Es liegt direkt an dem
malerischen Fluss Kiso, der auch japanischer Rhein genannt wird. Auf einer
Anhöhe thront das Inuyama Schloss, das älteste, noch erhaltene Schloss in
Japan! Auch gab es viele Schreine. (Aichi ist übrigens die Präfektur mit den
meisten Schreinen und Tempeln in Japan). Und es gab eine wunderschöne
Einkaufsstraße in der Innenstadt, mit vielen Essensständen und buntem Gewimmel…
Viele der Mädchen trugen Yukatas, die Sommerversion der Kimonos. Inuyama ist
eigentlich genau so, wie ich mir japanische Städte immer vorgestellt habe – und
alles sieht tatsächlich ein bisschen so aus, wie man es aus den Animes kennt.

Zuhause habe ich dann noch einmal den Stadtplan von Nagoya
gecheckt und bemerkt, dass ich hier bereits einige Orte schon erkundet habe,
wie z.B. den Osu Kannon Tempel mit anschließender Osu Shopping District, den
Fernsehturm, sowie den Brunnen auf dem Oasis21-Shopping-Center. Ich finde es
ist sehr schönes Gefühl, wenn man bemerkt, dass ein Ort, der einem anfangs sehr
groß und unüberschaubar erschienen ist, langsam an Vertrautheit gewinnt. Als
nächstes möchte ich mir den Tokugawa Garten und den Hoshigaoka Campus, der auch
zu unserer Uni gehört, anschauen. Auch das Nagoya Schloss habe ich noch nicht
angeschaut, es steht aber ganz oben auf der Liste. 😊
Im Oktober wird es im Osu Shopping District wohl ein Streetfestival geben, von
dem ich schon einige Leute habe reden hören. Darauf bin ich schon gespannt!



WHAT TO EAT?

Kulturschock Posted on Sat, September 30, 2017 05:11AM

WHAT TO EAT – How to survive in the jungle of Kanji !?

Ich hatte es ja schonmal ganz am Anfang angesprochen: es ist
wirklich nicht einfach, in Japan einzukaufen und zu kochen, wenn man nicht
lesen kann, was auf den Packungen steht. Oder wo die Dinge herkommen.
Mittlerweile habe ich mich aber schon gut eingelebt und bringe es mittlerweile
auch fertig, mir eine anständige Mahlzeit zu kochen. Für alle, die mein
Leidensweg interessiert oder die vorhaben, nach Japan zu kommen, habe ich ein
paar Tipps zusammengestellt.

Erstmal generell: In Japan kann man viele Fertigprodukte
kaufen. Und die sind nicht nur günstig, sondern auch frisch und gut! Für um die
400 Yen kann man schon eine Lunchbox (jap. Bento) erwerben, in der eine
ausgewogene, schmackhafte Mahlzeit vorzufinden ist.

Das Schöne ist, dass die Japaner auf Abwechslung stehen und
die Boxen neben der Hauptmahlzeit, dem Reis, kleine Portionen an Gemüse,
frittiertem oder gebratenem Fleisch und Fisch und Salaten enthalten. Und
umgerechnet kostet so eine Bentobox keine drei Euro! Damit nicht genug – gegen
Abend gibt es noch einmal Rabatte auf die übrig gebliebenen Lunchboxen des
Tages, die noch verkauft werden sollen. Für die Instant-Gerichte-Fans gibt es
auch eine gute Nachricht: Cup-Noodles und ähnliche Gerichte gibt es hier auch
zahlreich!

Für alle die – wie ich – gerne selbst kochen, habe ich
inzwischen auch einige Tipps sammeln können.

Erst einmal: der Reiskocher ist euer Freund. Ich war zwar
zuerst eingeschüchtert von den ganzen japanischen Knöpfen und Funktionen der
hochtechnischen Teile hier im Wohnheim, aber im Endeffekt ist eigentlich wenig
so einfach, wie Reis zu kochen. Also schnappt euch am besten einen Japaner oder
einen anderen, des Kanji-Lesens-mächtigen Menschen (zum Beispiel einen
Chinesen) und lasst euch kurz erklären, welche Knöpfe ihr zu drücken habt. Wenn
ihr es einmal gecheckt habt, könnt ihr es immer wieder wiederholen und habt
immer ein Grundnahrungsmittel, den Reis.

Dazu brate ich mir dann gerne verschiedene Gemüsesorten.
Besonders empfehlen kann ich Süßkartoffeln, Auberginen, Daikon und Lotuswurzel
(auch Renkon genannt). Fleisch-und Fisch-Fans werden in Japan natürlich auch
fündig! Weiterhin bin ich ein Fan von Miso-Suppe. Sobald man einmal
rausgefunden hat, wie man am besten Dashi macht, muss man nur noch einen Löffel
Miso-Paste hinzufügen und alle Einlagen die man sonst noch gerne in seiner
Suppe hätte (Wakame, Tofu, Frühlingszwiebeln,…). Ich persönlich mache mein
Dashi vegetarisch, aus Kombu und Shiitake-Pilzen, aber Bonito-Flocken zu benutzen
ist auch beliebt und gibt einen intensiven Geschmack. Für alle, denen „Dashi“
jetzt nichts sagt: Es handelt sich dabei um eine klare Brühe, die gerne als
Grundlage für zahlreiche Gerichte benutzt wird. Wenn ich sie ins europäische
übersetzen würde, würde ich sagen, dass Gemüse-oder Fleischbrühe bei uns eine
ähnliche Funktion haben.

Bezüglich Gewürzen muss man hier ein bisschen umdenken, bzw.
sich einarbeiten. Die asiatische Küche ist etwas anders, als die europäische.
Generell essen die Asiaten auch gerne mal süß und benutzen Zucker beim
Zubereiten von Gerichten. Eine Koreanerin hat uns neulich beispielsweise
gezuckerte, geschnittene Tomaten serviert. Man möge meinen, das wäre eine sehr
merkwürdige Kombi, aber es schmeckt!

Als Würz-Grundlagen kann ich Mirin (Reisessig), Sojasoße,
Sesamöl und Goma (Sesam) empfehlen. Auch spielt in vielen Gerichten eine
bestimmte Sauce eine wichtige/tragende Rolle. Zum Beispiel werden Okonomiyaki
(eine Art Kohlpfannkuchen) mit Mayonnaise und Okonomiyaki-Sauce serviert. Ich
habe keine Ahnung, was in letzterer drin ist, aber sie schmeckt wirklich
unheimlich gut!

Für alle, denen das jetzt alles zu abenteuerlich klingt:
Nudeln und Pesto sind hier natürlich auch erhältlich. Und ich würde empfehlen,
ein japanisches Curry, Kare (mit langem -e), mal auszuprobieren. Es ähnelt
entfernt unseren Currys, hat aber doch noch einmal seinen eigenen Geschmack.
Zubereiten kann man es, indem man eine Kare-Packung kauft, in der sich die
Paste befindet, zu der man noch Wasser, und Gemüse und Fleisch nach Wahl
hinzufügen muss. Hier kann ich Zwiebeln, Karotten und Kartoffeln empfehlen. Das
Ganze gibt eine gute, deftige Mahlzeit, die nicht allzu exotisch schmeckt. Auch
sind die Kare-Packungen in verschiedenen Schärfe-und Süße-Graden erhältlich.

Bezüglich Frühstück habe ich auch einen Tipp: Ich ernähre
mich hier von Müsli, Granola Cereals, die ich zusammen mit Milch oder Joghurt
esse. Weißes Brot (das etwas süßlich schmeckt), findet man hier massenweise,
aber da bin ich nicht so der Fan von. Ich habe jedoch jetzt auch schon ab und
zu „Full-Grain“-Brot gesehen und werde das bei Bedarf mal ausprobieren. Das ist
ein bisschen dunklerer Toast. Mit unserem Vollkornbrot aus Deutschland kann das
aber nicht mithalten… *seufz*. Käse ist hier übrigens eher teuer, ich glaube
der wird eher selten gegessen und ist daher eher eine Spezialität/Rarität.

Bevor ich nach Japan gekommen bin, hatte ich übrigens Angst
davor, was mit meinem Obst-Konsum passieren würde: Hier sind die Früchte
nämlich zweimal bis dreimal so teuer. Vor allem Trauben und Melonen sind
kostspielig. Ich finde die Preise für Kiwis, Bananen und Mandarinen aber echt
in Ordnung. Und kaufe mir dann lieber die, anstatt japanische Süßigkeiten. 😉

Dennoch: Ich muss sagen, dass ich Matcha gnadenlos verfallen
bin. Egal ob Eis, Schokolade oder Kuchen… Ich liebe das Zeug einfach! Und
langsam fange ich auch an, Anko (Rote Bohnenpaste) und Mochi wirklich zu mögen.
Was soll ich nur ohne das Zeug in Deutschland tun?!

Zum Abschluss möchte ich noch einmal sagen, dass es
eigentlich am besten ist, sein bisheriges Kochwissen einfach auf die japanische
Kultur zu übertragen. Im Endeffekt wird hier auch nur mit Wasser gekocht. 😉
Und es ist sinnvoll, sich jemanden zu schnappen, der Kanji recht gut lesen kann
(und sich auch etwas für Nahrungsmittel interessiert) und mit ihm zusammen
einkaufen zu gehen. So kann man sich später auch allein viel besser im
Supermarkt zurechtfinden.



Gedanken zum Alltag

Leben Posted on Sat, September 30, 2017 05:07AM

Während ich das hier schreibe, sitze ich auf dem Balkon und
genieße die warmen Sonnenstrahlen der Septembersonne… In Nagoya ist es gerade
eher Spätsommer als Herbst und man kann immer noch die Zikaden hören. Heute ist
Feiertag (jap. Matsuri) in Japan. Grandparentsday, oder so ähnlich. Die Japaner
haben generell wenig Urlaubstage. Dafür gibt es aber viele Feiertage, die wir
in Deutschland nicht haben. Das heißt aber nicht unbedingt, dass die Geschäfte
hier geschlossen sind. Sonntags sind sie übrigens immer offen. Das hängt damit
zusammen, dass in Japan das Christentum nicht so weit verbreitet oder in der
Kultur verankert ist. Also gibt es auch keine Vorschrift, am Sonntag zu ruhen…

Seit drei Wochen bin ich jetzt hier und seit zwei Wochen
habe ich fünf Tage die Woche Sprachunterricht mit einer ordentlichen Portion
Hausaufgaben. Und ich muss sagen: Es schlaucht, es schlaucht! Vor allem die
ganzen Kanji zu lernen und langfristig beizubehalten, erweist sich als
knifflig. Denn vieles sieht auf den ersten Blick entweder gleich oder einfach
nur furchtbar kompliziert aus. Zum Glück sind alle Kanji aber aus immer
wiederkehrenden Elementen, den Radikalen, aufgebaut. Ich versuche mir daraus
immer kleine Geschichten zu überlegen, also Eselsbrücken, die mir helfen, mich
an den Aufbau zu erinnern. Das funktioniert eigentlich ganz gut, erfordert aber
viel Konzentration…

Inzwischen war ich beim Karaoke, habe Purikuras gemacht und
den ersten Taifun überlebt. Auch durfte ich einige koreanische und japanische
Popkünstler kennenlernen. Besonders im Ohr hängen geblieben ist mir ja dieser
Titel hier: https://www.youtube.com/watch?v=PDSkFeMVNFs Der wird irgendwie gleich zum Ohrwurm…

Durch ein paar Veranstaltungen, die die japanischen
Studenten für uns organisiert haben, konnte ich auch noch mehr japanische
Kontakte knüpfen (und Telefonnummern sammeln). Das geht über den
Messenger-Dienst LINE ganz fix über einen QR-Code. Darunter befinden sich aber
eigentlich nur Kontaktdaten von Mädels – die einzigen männlichen Japaner, die
ich kenne, sind der Hausmeister und mein Kalligraphielehrer (jap. Shodo). Ob
die männliche Belegschaft einfach wenig Interesse an internationalen
Beziehungen hat bzw. sich mehr gehemmt fühlt, Englisch zu sprechen? Da die
Shukutoku Universität aber früher Frauen vorbehalten war, kann es auch sein,
dass sich das immer noch auf die Gesamtverteilung der Studenten auswirkt…

Angefangen habe ich diesen Text am Montag und jetzt ist
schon wieder Donnerstag. Das spricht vielleicht dafür, wie gut beschäftigt wir
den Tag über sind. Meine Freizeit besteht eigentlich hauptsächlich aus
Hausaufgaben machen, mit den Chinesen um ein Zeitfenster am Flügel zu kämpfen,
Nahrungsmittel einzukaufen und zu verarbeiten oder mich mit den anderen
Internationals zu unterhalten. Gestern Abend sind wir aber wieder mal nach
Nagoya reingefahren um dem Campus-Alltag ein bisschen zu entkommen – das viele
Lernen kann einem wirklich zu Kopf steigen, wenn man nicht aufpasst. Und jetzt
verabschiede ich mich wieder bis zum nächsten Mal – in zehn Minuten bekommen
wir nämlich das Sport-Activity-System der Uni erklärt…